Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Finnischen Republik

vom 6. April 1948

verlängert durch
Protokoll vom 19. September 1955 (Vertrag Nr. 33/1955)
Protokoll vom 20. Juli 1970 (Vertrag Nr. 57/1955)
Protokoll vom 6. Juni 1983 (Vertrag Nr. 68/1983)

aufgehoben durch
Vertrag über gute Nachbarschaft zwischen der Russischen Föderation und der Finnischen Republik vom 20. Januar 1992  (Vertrag Nr. 70/1992)

(in Kraft seit dem 17. Juli 1992)
 

Das Präsidium des Obersten Sowjets der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Präsident der Finnischen Republik, mit dem Ziel der weiteren Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der UdSSR und Finnland,

in der Überzeugung, daß die Festigung der gutnachbarlichen Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Finnischen REpublik den lebenswichtigen Interessen beider Länder entspricht,

in Berücksichtigung der Tatsache, daß Finnland bestrebt ist, den Interessengegensätzen der Großmächte fernzubleiben, indem sie ihr unentwegtes Bestreben zum Ausdruck bringen, im Interesse der Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit im Einklang mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten,

haben zu diesem Zwecke beschlossen, den gegenwärtigen Vertrag zu schließen, und zu ihren bevollmächtigten Vertretern ernannt:

    Das Präsidium des Obersten Sowjets der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
    den stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates und Außenminster der UdSSR
        Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow,

    der Präsident der Finnischen Republik:
    den Ministerpräsidenten Mauno Pekkala,

die nach Austausch ihrer in guter und gehöriger Form befundenen Vollmachten folgendes vereinbart haben:

Artikel 1. Im Falle, daß Finnland oder die Sowjetunion über das Gebiet Finnlands Gegenstand einer militärischen Aggression von Seiten Deutschlands oder eines beliebigen anderen mit diesem verbündeten Staates werden sollte, wird Finnland getreu seinen aus der staatlichen Selbständigkeit sich ergebenden Pflichten kämpfen, um diese Aggression abzuweisen. Hierbei wird Finnland alle ihm zur Verfügung stehenden Kräfte für die Verteidigung der Unverletzbarkeit seines Gebietes zu Lande, zur See und in der Luft einsetzen und innerhalb seiner Grenzen im Einklang mit den sich aus diesem Vertrag ergebenden Verpflichtungen, im Notfalle unterstützt durch die Sowjetunion oder gemeinsam mit dieser, handeln.

In den oben aufgeführten Fällen wird die Sowjetunion Finnland jede notwendige Hilfe zukommen lassen, deren Gewährung durch gegenseitige Absprache beider Parteien geregelt werden soll.

Artikel 2. Die Hohen Vertragschließenden Parteien werden bei der Feststellung eines drohenden Angriffs, wie er im Artikel 1 vorgesehen ist, miteinander beraten.

Artikel 3. Die Hohen Vertragschließenden Parteien bestätigen ihre Absicht, mit größter Aufrichtigkeit an allen Unternehmungen teilzunehmen, die auf die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit im Einklang mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen gerichtet ist.

Artikel 4. Die Hohen Vertragschließenden Parteien bestätigen die im Artikel 3 des in Paris am 10. Februar 1947 unterzeichneten Friedensvertrages enthaltene Verpflichtung, keinerlei Bündnisse abzuschließen und nicht an Koalitionen teilzunehmen, die gegen die andere Hohe Vertragschließende Partei gerichtet sind.

Artikel 5. Die Hohen Vertragschließenden Parteien bestätigen ihre Entschlossenheit, im Geiste der Zusammenarbeit und Freundschaft tätig zu sein, um die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Finnland weiterhin zu fördern und zu festigen.

Artikel 6. Die Hohen Vertragschließenden Parteien verpflichten sich, die Grundsätze der gegenseitigen Achtung ihrer Staatssouveränität und Unabhängigkeit sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen Staates zu befolgen.

Artikel 7. Die Durchführung des gegenwärtigen Vertrages wird im Einklang mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen erfolgen.

Artikel 8. Der vorliegende Vertrag unterliegt der Ratifizierung und behält für die Zeit von zehn Jahren, gerechnet vom Zeitpunkt seines Inkrafttretens an, Gültigekti. Der Vertrag tritt mit dem Zeitpunkt des Austausches der Ratifikationsurkunden in Kraft, der so bald wie möglich in Helsinki zu erfolgen hat. Sollte keiner der Hohen Vertragschließenden Parteien den Vertrag ein Jahr vor Ablauf der genannten zehnjährigen Frist kündigen, so bleibt er für die nächsten fünf Jahre in Kraft, bis eine der Hohen Vertragschließenden Parteien ein Jahr vor dem Ablauf der laufenden fünfjährigen Frist schriftlich den Wunsch äußert, den Vertrag zu kündigen.

    Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten Vertreter den vorliegenden Vertrag unterzeichnet und mit ihren Siegeln versehen.

    Ausgefertigt in doppelter Urschrift in Moskau am 6. April 1948 in russischer und in finnischer Sprache, die beide in gleicher Weise maßgebend sind.

In Vollmacht des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR
W. M. Molotow

In Vollmacht des Präsidenten der Finnischen Republik
Mauno Pekkala

 


Quellen: Gesetzsammlung Finnlands, Vertrag Nr. 17/1948
Berber, Völkerrecht Dokumentensammlung Band I, S. 806
Meissner, Ostpaktsystem S. 40

© 8. November 2008
Home                Zurück              Top